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[ root / 21.11.2005 ] antenne karger auf radio drs2

das performance-projekt antenne karger (koch-schütz-studer plus der schauspieler markus wolff) welches seit 2003 ab und zu auf bühnen in der schweiz u.a.gare du nord basel, schauspielhaus zürich, festival "aua wir leben bern) und deutschland (u.a. festspiel+ münchen, festival im e-werk freiburg i.br.) aufgetaucht ist, ist nun eben als radiofassung fertiggestellt (im auftrag der abteilung hörspiel von radio drs2) und geht zum ersten mal am mittwoch 30.11. um 20:00 über den sender. aufgenommen wurde das ganze live im stadttheater biel/bienne im februar 05. schütz hat das ganze gemischt und -in zusammenarbeit mit wolff, koch und studer- editiert. hier auf der site kann schon mal exklusiv ein kurzer ausschnitt gehört werden (bei den MP3s).

© Neue Zürcher Zeitung; 30.11.2005; Seite 46; Nummer 280
Am Radio
Unterwegs in keineswegs kargen Klanglandschaften
von Erne R.
Meist bleibt die Stille weit weg. Der Alltag ist erfüllt von Geräuschen und Tönen, die sich nicht selten zum Lärm auswachsen. Doch längst nicht alles, was uns fast permanent umspült, nehmen wir ungefiltert auch auf. Eben diese Erfahrung der selektiven Wahrnehmung akustischer Reize haben der mit Arbeiten Ruedi Häusermanns und Christoph Marthalers vertraute Schauspieler Markus Wolff und das für sogenannte Hardcore Chamber Music zuständige Trio Koch - Schütz - Studer mit ihrem triftige Sprach- und Sound-Splitter legierenden Hörstück «Antenne Karger» verarbeitet. Es sind eigene Texte und literarische Zitate sowie Bruchstücke aus Zeitungen, Illustrierten und dem Internet, die Wolff auch mittels Audiokassetten beisteuert. Wobei seine dafür ausgefahrene Antenne ein ausgeprägtes Sensorium für Vorfälle verrät, die so manches Unglück einschliessen. Hans Koch (Reeds, Elektronik), Martin Schütz (Cello, Elektronik) und Fredy Studer (Schlagzeug) wiederum konzentrieren sich auf kontrastreiche Klangflächen, die teilweise wiederholt aufblitzendes Wortmaterial einmal dicht einhüllen, dann leichthin freigeben oder gar abstreifen. Resultat ist eine zwischen unaufhaltsamem Aufbrausen und bewusstem Innehalten oszillierende Collage, deren Botschaften aufhorchen lassen.
Unvermittelt aufgebrachte, von treibenden Grooves begleitete Such- beziehungsweise Vermisstmeldungen und ähnliche Hilferufe münden da zunächst in klangintensiv bohrende Fragen wie: «Lebt meine Seele in einem fremden Land? (. . .) Kümmern sich meine Gefühle zu Recht nicht um meine Vorbehalte? (. . .) Sind dem Unmöglichen keine Grenzen gesetzt?» Zu denken geben bei Wolff überdies ein auch lebensmüde mit erfinderischer Energie geschlagener Ingenieur oder aber jener tätowierte Mann namens Hary (und nicht etwa Harry), der sich an einem Fischergalgen erhängte. Gleichwohl von einem wunderschönen Leben kündet eine zunehmend unverständliche (Band-)Stimme, die ein durch Stöhnen und stossweises Atmen abgelöstes Fiepen von Kochs Bassklarinette provoziert.
Ob im Weiteren von der schwärenden Qual eines vorzeitig gewaltsam getrennten Paars oder aber der unerwartet aufschreckenden Autobahnfahrt (von Basel nach Solothurn) zweier Freundinnen und - geradezu euphorisierend - vom «offenen Mund» die Rede ist: Das in eigenwillig bahnbrechender Improvisationskunst erprobte Trio Koch - Schütz - Studer verständigt sich mit Wolff auf ein spannungsvoll ertastetes, aber nie mutwillig ausgereiztes Interplay, das auch Raum für Unerhörtes gewährt. Sind es bisweilen bloss sachte placierte Tupfer, die den Part der drei Instrumentalisten ausmachen, nehmen sie das Heft immer wieder auch dezidierter in die Hand, ohne dabei aufdringliche Gesten zu bemühen. Wolffs ausdrucksstarke Mitstreiter sind hier für kontrollierten Swing, dort für ungezähmtes Kollektivspiel besorgt, wissen bei Gelegenheit auch Rock-Versatzstücke und Scratching einzubringen, derweil ihr Sprecher auf seinen kolportierten Geschichten beharrt. Zu deuteln gibt es freilich kaum etwas, zumal die in Koproduktion mit den Autoren realisierte Radiofassung eines bühnenreifen Projekts nahelegt: Am Werk ist ein hellhöriges Quartett, das uns in keineswegs karge Klanglandschaften zu (ent)führen versteht.

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