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Solothurner Zeitung, September 07
Vorstoss in andere Klangwelten
Derartige Klänge gab es in der Raumbar der Kulturfabrik Kofmehl noch nie zu hören: Am Montag zelebrierte das Trio Koch-Schütz-Studer «Hardcore Chambermusic» – keine leichte Kost für die Zuhörer.Wer am Montag in der Raumbar der Kulturfabrik Kofmehl ein nettes Bebop- oder Dixie-Konzert erwartete, wurde von dem Trio Koch-Schütz-Studer gewaltig überrascht. Schon nur die Instrumentierung ist speziell: Hans Koch spielt Bassklarinette, und entlockt seinem Instrument lieber schräge Geräusche und hohes Fiepen als Melodien.
Martin Schütz jagt die Klänge seiner beiden Cellos durch unzählige Effektgeräte wie Verzerrer und Filter, malträtiert das Cello mit Wäscheklammern und einem Gitarrenplektrum und lässt so einen Jimmy Hendrix ziemlich unkreativ erscheinen. Daneben bedienen die beiden Bieler Musiker ihre Laptops, bringen flirrende Texturen, verfremdete Alltagsgeräusche-Samples und wuchtiges Brummen ins Spiel, während der Schlagzeuger Fredy Studer mit seinem Instrument abstrakte Beats und Geräusche erzeugt.
30 Konzerte in 30 Tagen
Ob man diese Musik noch Jazz nennen kann, ist schwer zu sagen. Die drei Musiker jedenfalls, nennen das, was sie machen, «Hardcore Chambermusic», und sie haben sich mit dieser Musik international einen exzellenten Ruf geschaffen.
Aufsehen erregten sie mit ihrer Konzertserie im September 2005, als sie in einer alten Schlosserei in Zürich innert dreissig Tagen dreissig Konzerte spielten. Daraus entstand der Film «Hardcore Chambermusic» von Peter Liechti sowie die CD «30 Tales from 30 Unintentional Nights».
Koch-Schütz-Studer haben den Anspruch, nie dasselbe zu spielen, nie auch nur ein Riff oder ein Lick an zwei Konzerten zu spielen. Jede Sekunde ihres Spiels ist improvisiert, und dennoch tönt nie etwas beliebig, alles wirkt zwingend und gleichzeitig verspielt.
Sturm, Orkan, Chaos
Da bläst etwa Hans Koch in seine Bassklarinette und erzeugt so rauschende Töne, während Martin Schütz mit seinem Laptop hohe, schwirrende Flächen beisteuert und diese mit Effekten nach und nach verändert. Dann fügt er einen gesampelten Beat hinzu, den Schlagzeuger Studer aufnimmt, verziert und langsam steigert.
Was filigran beginnt, steigert sich immer mehr, wird zum Sturm, zum Orkan und endet im Chaos, in dem Studer nach einem kurzen Ausflug in Drum`n`Bass-Gefilde Heavy Metal-Qualitäten an den Tag legt und auch Martin Schütz mit dem Cello Metal-ähnliche verzerrte Riffs hervorprügelt.
Koch-Schütz-Studer machen nicht einfach Musik, sondern sie spielen mit ihren Instrumenten im wortwörtlichen Sinn und lassen so neue Musik entstehen. Sie erkunden Klangwelten, loten Grenzen aus, und das mit viel Freude am Spiel, wie das spitzbübische Grinsen, das immer wieder in den Gesichtern der Musiker auftaucht, beweist.
Einmaliges Spektakel
Die Hardcore Chambermusic von Koch-Schütz-Studer bietet keine leichte Kost und erfordert hohe Aufmerksamkeit. Wer sich jedoch in der Raumbar ein wenig anstrengte, war hin und weg von dem einmaligen Klangspektakel, das live noch viel mehr Energie entfaltet als ab Konserve. Und wer das Trio verpasst hat: Am 22. September spielen Koch-Schütz-Studer in Genf, und Ende September bis Mitte Oktober sind sie in Japan auf Tour.
Patrick Studer
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