Projekte

1963 im thurgauischen egnach geboren, ist christian uetz dichter mit leib und seele. wie die alten rhapsoden kennt der studierte altphilologe seine texte par coeur. wenn er vorträgt, hört und sieht man ihn, doch kein papier. die emphase, die uetz ins werk setzt, kommt von hölderlin und celan her. der sprachspielerische furor erinnert an die österreicher , an jandl, an artmann: “hölder; schönsterrre schwahn, des abelnlahn; / könixkran cselahn”.
die kunst des nichts
uetz‘ gedichte sind aberwitzige attacken gegen die sprachgewordene konvention. die verhöhnung allerdings bewirkt eine erhöhung. die dichtersprache wird zu einer sprache sui generis, in der allein sinn aufzuscheinen vermag. wie seit der moderne üblich, glänzt die sinnfülle auch bei uetz durch abwesenheit. so neigt sein dichten zu ritual und leiden. und der umgang mit einer sprache, die stets weniger sagt, als sie verspricht, trägt züge eines martyriums.
tatsächlich bedient sich uetz schamlos religiöser muster. mit der sprache auf die welt gekommen, begierig nach glück und erfüllung, ist das lyrische ich indes längst in der spätmoderne angekommen. sinnlosigkeit, versagen, verzweiflung bedeuten nicht das ende – des dichtens, des lebens -, sondern sind vielmehr unabdingbare voraussetzung jeder vitalität. die parole «zoom nicht» weist den weg. das «offene» hölderlins mündet – oder, wie uetz sagen würde, «mündelt» – in die kontingenz.
seine gedichte nennt uetz «nichte». die welt ist «finsterre». das von «nomen» und «normen» gleicher- massen besessene ich leidet am «bedeutunszwahn». da wird nicht und nichts zu sein zur kunst. im romantischen sinn eine dunkle hymne ans nichts, ist uetz‘ poesie fundamental utopisch: “es ist ein nichtraum im nirgends, ein nichtort, eine nichtwelt. es ist eine nichtzeit im niemals, eine nichtstunde, ein nichttag. es ist eine nicht- person als niemand. ein nichtmensch, ein nichtname, ein kain.”

nächstes konzert von kss & christian uetz:

lucerne festival

wednesday 20 march 2002 21:30h

jesuitenkirche luzern

http://www.lucernefestival.ch

this production blends and merges language, music and light (beny von moos) into a contemporary mystery play, an occasionally rather absurd theatre of opposites and excesses. the spoken petry of christian uetz, his word-generating and word-transforming texts are equally as central to this event than hardcore chambermusic with their radical, sometimes violent, sometimes introverted and meditative musical language. very important is the light also used in sake of the improvisation. all this puts this production in close proximity to historical examples: the scenic oratorio of baroque times and the mediaeval mystery play. the goal: to deeply move and morally shock in order to stimulate a change of ways. (beny von moos)